Das Momentum

Beachte, dass unser Verhalten immer ein gewisses Momentum aufweist. Je länger wir unser Verhalten schon ausüben, umso größer ist das Momentum. Wenn du also an dir arbeitest, erwarte nicht, dass die Veränderung von heute auf morgen geschieht. Du erwartest ja auch nicht, dass du einen Tag nur Salat isst und am nächsten Tag zehn Kilo abgenommen hast. Spirituelle Entwicklung braucht Zeit, Ausdauer und Geduld. Paradoxerweise wird die meiste Zeit dafür benötigt, um zu erkennen, dass du eigentlich gar keine Zeit benötigst. Aber dieser Zustand lässt sich nicht forcieren. Je mehr du es willst, desto weniger kannst du es bekommen, bzw. wirst du erkennen, dass du es eigentlich schon immer hattest, bzw. dass du es schon immer warst. Die Erkenntnis ist: du bist – hier – jetzt.

Keine Arbeit, kein Essen!

Ein Zen-Meister arbeitete gemeinsam mit seinen Schülern bis er 80 Jahre alt war. Er pflegte den Rasen, säuberte den Boden und schnitt die Bäume. Die Schüler empfanden Mitleid mit dem alten Mann, weil er so hart arbeitete, aber sie wussten, dass er nicht auf ihren Rat hören wurde. Also versteckten sie eines Tages seine Arbeitsgeräte. An diesem Tag aß der Meister nichts. Am darauf folgenden Tag auch nicht und an dem danach ebenfalls nicht. Einer der Schüler sprach: „Er ist bestimmt verärgert, weil wir seine Geräte versteckt haben.“ Und so gaben sie ihm diese zurück. Seit diesem Tag arbeitete und aß der Meister wie zuvor und am Abend lehrte er seine Schüler: „Keine Arbeit, kein Essen!“

Verfasser unbekannt – frei nacherzählt

Nimm dir endlich wieder Zeit!

Heute! Jetzt! Nimm dir endlich wieder Zeit für genau das, was du gerade machst! Besonders bei „lästigen“ Routineaufgaben wie Zähne putzen, aufräumen, putzen oder einkaufen neigen wir dazu, es schnell hinter uns bringen zu wollen. Mach ein Experiment: Lass dir bei einer Tätigkeit, die du eigentlich nur schnell hinter dich bringen willst, bewusst ganz besonders viel Zeit und widme ihr deine gesamte Aufmerksamkeit, als ob es in diesem Moment nichts Wichtigeres gäbe. Du wirst merken, das Preis-/Leistungsverhältnis stimmt! Die zusätzliche Zeit, die du investierst, bekommst du um ein Vielfaches an besserer Lebensqualität zurück. Eigentlich ein tolles Geschäft! Es geht nicht darum, ständig unsere To-Do-Liste zu priorisieren und von einer Aufgabe zur anderen zu hetzen. Was du machst, ist letzten Endes viel unwichtiger als wie du es machst, solange du es nur bewusst und aufmerksam machst.

Einsamkeit: Lust oder Last?

Kannst du es genießen, alleine zu sein? Was kannst du in deinem Körper wahrnehmen, wenn du alleine bist? Ein leichter Druck und ein Ziehen unter dem Brustbein? Oberflächliche Atmung? Oder fließen dein Blut und deine Energie warm und wohlig durch deinen ganzen Körper? Ist es gar eine Mischung aus angenehmen und unangenehmen Gefühlen? Versuche, einsame Zeiten ganz bewusst wahrzunehmen, auch wenn sie unangenehm sind, die Ereignisse in deinem Körper genau zu beobachten. Versuche aber, diese nicht zu bewerten oder zu interpretieren. Und wenn du beobachtest, dass du das trotzdem tust, verurteile dich nicht dafür und fahre einfach fort in deiner Beobachtung. Wie verändern sich die Ereignisse in deinem Körper durch die wertfreie Wahrnehmung? Nutze die Einsamkeit als Trainingsgelegenheit für deine heilsame Aufmerksamkeit, die dir letztendlich bedingungslosen Frieden in dir schenken kann.

Bist du authentisch?

Was heißt das, authentisch zu sein? Im Einklang zu reden und zu handeln, mit dem, was du fühlst und denkst. Wie oft bist du authentisch? Wie oft bist du es nicht? Welcher Teil überwiegt? Ist es so, dass du dich entschieden hast, kurzfristig nicht authentisch zu sein, weil es bequemer ist? Wie wirkt sich das langfristig auf dein Wohlbefinden aus? Wie geht es dir damit, deinen Tag mit mehr oder weniger großen Unwahrheiten zu spicken? Wie wäre es andererseits, wenn du jedem die Wahrheit immer schonungslos ins Gesicht sagst? Gibt es eine Balance, die wir einhalten können, um uns langfristig wohl zu fühlen? Versuche, so authentisch wie möglich zu sein. Wenn das bedeutet, dass du jemandem dadurch Unwohlsein bereitest, wäge ab, ob eine kurzfristige Belastung nicht einen langfristigen Gewinn für beide bedeuten könnte, oder ob die ungeschminkte Wahrheit den anderen nur unnötig verletzt. Wähle langfristig die wohl überlegte Ausgewogenheit statt der Bequemlichkeit!

Bist du auch im Dschungelcamp?

Jetzt ist sie wieder gestartet – eine der umstrittensten Fernsehshows im deutschen Fernsehen: das Dschungelcamp, oder offiziell: „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ Was genau ist das, was die Menschen an dieser Sendung fasziniert oder abstößt? Ist es die Schadenfreude, anzusehen, wie andere Menschen leiden? Können wir uns dann besser fühlen, wenn wir froh sind, dass es uns nicht so ergeht, wie denen da auf dem Bildschirm? Oder macht es einfach nur Spaß, über andere zu lästern? Vereint uns das gemeinsame Lästern? Wir sind hier und da sind die anderen? Welche Folgen hat das für unser Leben, wenn wir uns von anderen abgrenzen? Welche Chancen entstehen daraus, wenn wir nicht unterscheiden zwischen „ich“ und „die anderen“? Vielleicht kannst du dir diese Sendung ansehen und dabei dich selbst aufmerksam beobachten – ohne dich für deine Gedanken und Gefühle zu verurteilen. Wenn du dir das nicht anschauen möchtest, versuche ebenfalls, in dich hineinzusehen, weswegen du das nicht möchtest. Besondere Ereignisse – vor allem solche, die die Meinungen der Menschen stark spalten – sind immer auch eine gute Gelegenheit, auf uns selbst zu schauen und uns im Licht unserer Aufmerksamkeit zu entwickeln.

Wahre Freude und wahres Mitgefühl

Beobachte dich selbst! Wenn du jemandem, dem etwas Schönes widerfahren ist, sagst, dass du dich für ihn freust, ist da wirklich nur Freude? Oder schwingt Neid in deinen Worten mit? Wenn du jemandem, der leidet, sagst, dass du mit ihm fühlst, ist da Erleichterung oder Freude in dir, dass das Schicksal dich verschont hat? Wie rein sind deine Gefühle? Wie ehrlich bist du zu dir selbst? Wie ehrlich möchtest du anderen Menschen gegenüber sein?

Die Brille

„Wo ist meine Brille? Ich hab sie doch eben hier hingelegt! Verdammt, die muss aber hier sein! Sie muss hier sein, weil ich sie genau hier hingelegt habe! Das Scheißding war richtig teuer! Wenn die jetzt weg ist! Das darf doch nicht wahr sein! Die muss doch da liegen! Warum liegt die denn da nicht! Aber die muss doch da sein! Ich flippe gleich aus!!!“

oder

„Oh, ich habe gedacht, ich hätte meine Brille da hingelegt. Aber da liegt sie nicht. Ok, ich werde sie suchen.“

Der Kontrast der Katastrophe

Katastrophen sind schrecklich – aber faszinierend. Warum ist das so? Liegt es daran, dass eine große Katastrophe in ihrem Schatten unsere kleinen Sorgen verblassen lässt? Wie wichtig ist es dann noch, beispielsweise unsere Rechnungen zu bezahlen oder den Streit mit dem Chef auszuhalten, wenn wir unermessliches menschliches Leid beobachten? Wenn wir immer mal wieder unsere Perspektive wechseln, brauchen wir nicht unbedingt eine tatsächliche Katastrophe, um zu uns selbst zu sagen: „So schlecht geht es mir in meinem Leben ja eigentlich gar nicht.“ Du kannst den Kontrast für die Gefühle in deinem Leben selber regeln. Probier es einfach aus!

Alles Gute zum Geburtstag

Was ist das Schönste am Geburtstag? Der Austausch von Aufmerksamkeit! Kleine Geschenke, große Geschenke, gar keine Geschenke, egal! Die besondere Aufmerksamkeit, die uns einmal im Jahr zuteil wird, können wir genießen und erwidern, wenn wir uns darauf einlassen. Und auch nach dem Geburtstag und vor dem Geburtstag können wir uns jeden Tag beschenken – mit Aufmerksamkeit. Wenn du heute Geburtstag hast, wünsche ich dir alles Gute! Und wenn du jemanden kennst, der heute Geburtstag hat, schenk ihm deine Aufmerksamkeit!