Kategorie-Archiv: Inspirationen

Der Motorsegler

Als Kind hat mich mein Vater einmal in seinem kleinen Motorsegler mitgenommen. Er wies mich an, mich nur an meinen eigenen Knien festzuhalten, falls wir in Turbulenzen kommen, damit ich nicht in irgendwelche Steuergeräte hineingreife, sollte ich in Panik geraten. Flugzeug – Turbulenzen – panisches Kind greift in die Steuergeräte – das könnte übel ausgehen!

Heute – in einer schwierigen Zeit – muss ich daran zurückdenken. Auch jetzt bringt es nichts – wäre sogar fatal, mich in Panik an irgendwelchen Steuergeräten festzuhalten. Der beste Ort, mich festzuhalten, ist an mir selbst und darauf zu vertrauen, dass das, was größer ist, als wir, unser Leben liebevoll und zu unserem Besten lenkt und steuert.

Danke Papa, für diese Lektion, auch wenn ich sie erst über dreißig Jahre später wirklich verstanden habe.

Der Tee-Meister und der Assassine

Ein Tee-Meister im alten Japan war berühmt für seine Tee-Zeremonien. Vor allem beeindruckte er die Leute mit seinem Hang zur Ästhetik, seiner Ruhe und seiner Sorgfalt. Doch in der Politik wurde er missverstanden und man unterstellte ihm, dass er gegen den Staat sei. So beschloss man also, ihm einen Assassinen zu schicken, der ihn umbringen sollte. Der Assassine täuschte einen Höflichkeitsbesuch vor und begehrte Einlass zum Tee-Meister. Dieser erkannte sofort, was der Assassine im Schilde führte und bat ihn, sein Schwert draußen zu lassen, da die Tee-Zeremonie Frieden symbolisiere und ein Schwert nur stören würde. Erbost weigerte sich der Assassine, schließlich sei er ein Krieger und ein Krieger führe sein Schwert immer mit sich, Tee-Zeremonie hin oder her. Schließlich erlaubte der Tee-Meister ihm, das Schwert zu behalten und sie begaben sich zur Zeremonie. Plötzlich stieß der Meister den Teekessel um. Heißer Dampf füllte den Raum und Kohlestückchen stoben umher. Der Assassine flüchtete vor Schreck aus dem Raum. Der Meister rief ihm hinterher: „Entschuldige bitte, das war mein Fehler. Du hast dein Schwert verloren. Nun ist es ganz dreckig und voller Asche. Ich werde es für dich reinigen und es dir dann geben. Komm zurück und lass uns Tee trinken!“ Da wurde dem Assassinen klar, dass er den Tee-Meister nicht so leicht umbringen könne und er beschloss, dies auch nicht mehr zu versuchen.

Verfasser unbekannt – frei nacherzählt

Der Wassertropfen

Ein Zen-Meister beauftragte seinen Schüler, ihm einen Eimer Wasser zu bringen, um sein Bad zu kühlen. Der Schüler brachte ihm das Wasser, kühlte das Bad und schüttete den Rest auf die Erde. „Du Schwachkopf!“, brüllte der Meister ihn an, „Warum hast du den Rest Wasser nicht den Pflanzen gegeben? Was fällt dir ein, auch nur einen Tropfen Wasser in diesem Tempel zu vergeuden?“ Der junge Schüler wurde auf einen Schlag erleuchtet und änderte seinen Namen in „Wassertropfen“.

Verfasser unbekannt – frei nacherzählt

Das Momentum

Beachte, dass unser Verhalten immer ein gewisses Momentum aufweist. Je länger wir unser Verhalten schon ausüben, umso größer ist das Momentum. Wenn du also an dir arbeitest, erwarte nicht, dass die Veränderung von heute auf morgen geschieht. Du erwartest ja auch nicht, dass du einen Tag nur Salat isst und am nächsten Tag zehn Kilo abgenommen hast. Spirituelle Entwicklung braucht Zeit, Ausdauer und Geduld. Paradoxerweise wird die meiste Zeit dafür benötigt, um zu erkennen, dass du eigentlich gar keine Zeit benötigst. Aber dieser Zustand lässt sich nicht forcieren. Je mehr du es willst, desto weniger kannst du es bekommen, bzw. wirst du erkennen, dass du es eigentlich schon immer hattest, bzw. dass du es schon immer warst. Die Erkenntnis ist: du bist – hier – jetzt.

Keine Arbeit, kein Essen!

Ein Zen-Meister arbeitete gemeinsam mit seinen Schülern bis er 80 Jahre alt war. Er pflegte den Rasen, säuberte den Boden und schnitt die Bäume. Die Schüler empfanden Mitleid mit dem alten Mann, weil er so hart arbeitete, aber sie wussten, dass er nicht auf ihren Rat hören wurde. Also versteckten sie eines Tages seine Arbeitsgeräte. An diesem Tag aß der Meister nichts. Am darauf folgenden Tag auch nicht und an dem danach ebenfalls nicht. Einer der Schüler sprach: „Er ist bestimmt verärgert, weil wir seine Geräte versteckt haben.“ Und so gaben sie ihm diese zurück. Seit diesem Tag arbeitete und aß der Meister wie zuvor und am Abend lehrte er seine Schüler: „Keine Arbeit, kein Essen!“

Verfasser unbekannt – frei nacherzählt

Ohne Güte

Einst gab es eine alte Frau in China, die einen Mönch über zwanzig Jahre lang unterstützt hatte. Sie hatte ihm eine kleine Hütte gebaut und ihn mit Essen versorgt, während er meditierte. Schließlich fragte sie sich, welche Fortschritte er wohl in all dieser Zeit gemacht hätte. Um dies herauszufinden, bat sie ein begehrenswertes Mädchen, das voller Leidenschaft war, um ihre Hilfe. „Geh und umarme ihn“, trug sie ihr auf, „und dann frag ihn unvermittelt: Was jetzt?“
Das Mädchen tat wie ihr aufgetragen, ging zu dem Mönch, umarmte ihn leidenschaftlich und fragte dann: „Was jetzt?“
„Ein alter Baum wächst auf einem kalten Stein im Winter“, antwortete der Mönch ziemlich poetisch. „Nirgendwo gibt es Wärme“.
Das Mädchen kehrte zurück zu der alten Frau und berichtete von ihrem Treffen mit dem Mönch.
„Wenn ich daran denke, dass ich diesen Kerl zwanzig Jahre lang durchgefüttert habe!“ schrie die alte Frau vor Wut. „Er zeigte keinerlei Rücksichtnahme auf deine Bedürfnisse, schien deine Lage nicht verstehen zu wollen. Er hätte deine Leidenschaft ja nicht unbedingt erwidern müssen, aber zumindest hätte er dir etwas Mitgefühl entgegen bringen können.“
Daraufhin ging die alte Frau zu der Hütte des Mönchs und brannte sie nieder.

Verfasser unbekannt – frei nacherzählt

Der Mond kann nicht gestohlen werden

Ein Zen-Meister lebte in einfachsten Verhältnissen in einer kleinen Hütte am Fuße eines Berges. Eines Nachts kam ein Dieb und musste feststellen, dass es bei ihm nichts zu holen gab. Der Zen-Meister überraschte den Dieb und sprach: „Du bist sicherlich von weit her gekommen, um mich zu besuchen und du sollst nicht mit leeren Händen wieder gehen. Bitte nimm meine Kleider als Geschenk!“ Der Dieb war verwirrt, nahm die Kleider und ging wieder davon. Der Zen-Meister saß nackt vor seiner Hütte, betrachtete den Mond und dachte: „Armer Mann, ich wünschte, ich hätte ihm diesen wundervollen Mond geben können.“

Verfasser unbekannt – frei nacherzählt

Ist das so?

Ein berühmter Zen-Meister wurde von seinen Nachbarn für seine Reinheit geschätzt. Neben ihm wohnte ein wunderschönes Mädchen, dessen Eltern ein Lebensmittelgeschäft hatten. Plötzlich entdeckten ihre Eltern, dass sie schwanger war. Die Eltern wurden darüber sehr wütend. Sie wollte zunächst nicht sagen, wer der Vater war, doch nachdem die Eltern sie eindringlich befragt hatten, behauptete das Mädchen, es sei der Zen-Meister von nebenan. Voller Wut stürmten die Eltern hinüber und konfrontierten ihn mit der Behauptung ihrer Tochter. „Ist das so?“, war alles, was er dazu sagte. Nachdem das Kind geboren war, wurde es zum Zen-Meister gebracht. Inzwischen hatte er seinen guten Ruf verloren, was ihm aber nichts ausmachte. Er kümmerte sich liebevoll und fürsorglich um das Kind. Er kaufte Milch bei seinen Nachbarn und alles, was das Kind brauchte. Ein Jahr später konnte das Mädchen es nicht mehr aushalten und gestand seinen Eltern die Wahrheit. Der wirkliche Vater des Kindes war ein junger Mann, der auf dem Fischmarkt arbeitete. Die Eltern gingen sofort zum Zen-Meister, um ihn um Verzeihung zu bitten und das Kind zurückzunehmen. Der Zen-Meister willigte ein, übergab ihnen das Kind und fragte die Eltern: „Ist das so?“

Verfasser unbekannt – frei nacherzählt

Wenn du liebst, liebe offen!

Zwanzig Mönche und eine Nonne meditierten regelmäßig mit einem Zen-Meister. Obwohl die Nonne ihren Kopf kahl rasiert hatte und ihre Kleidung sehr schlicht war, war sie sehr schön und einige der Mönche verliebten sich in sie. Einer von ihnen schrieb ihr sogar einen Liebesbrief, in dem er sie um ein privates Treffen bat. Doch die Nonne antwortete nicht. Am nächsten Tag versammelten sich alle wieder um den Zen-Meister. Als dieser mit seinem Vortrag geendet hatte, erhob sich die Nonne und sprach zu dem Verfasser des Liebesbriefes: „Wenn du mich wirklich so sehr liebst, komm her und umarme mich jetzt!“

Verfasser unbekannt – frei nacherzählt