Der Motorsegler

Als Kind hat mich mein Vater einmal in seinem kleinen Motorsegler mitgenommen. Er wies mich an, mich nur an meinen eigenen Knien festzuhalten, falls wir in Turbulenzen kommen, damit ich nicht in irgendwelche Steuergeräte hineingreife, sollte ich in Panik geraten. Flugzeug – Turbulenzen – panisches Kind greift in die Steuergeräte – das könnte übel ausgehen!

Heute – in einer schwierigen Zeit – muss ich daran zurückdenken. Auch jetzt bringt es nichts – wäre sogar fatal, mich in Panik an irgendwelchen Steuergeräten festzuhalten. Der beste Ort, mich festzuhalten, ist an mir selbst und darauf zu vertrauen, dass das, was größer ist, als wir, unser Leben liebevoll und zu unserem Besten lenkt und steuert.

Danke Papa, für diese Lektion, auch wenn ich sie erst über dreißig Jahre später wirklich verstanden habe.

Sich einfach mal wieder den ganzen Tag freuen

Hier ist ein Experiment: Wenn es gelingt, kannst du dich den ganzen Tag immer wieder über etwas freuen. Wie klingt das? Gut? Ok, dann lass uns anfangen: Versuche heute so oft es geht, aber mindestens einmal pro Stunde, dich zu fragen: „Worüber kann ich mich jetzt gerade freuen?“ Wenn dir sofort etwas einfällt, umso besser. Genieße den Gedanken und das angenehme Gefühl! Wenn dir allerdings – und das wird am Anfang wahrscheinlicher sein – negative Gedanken kommen oder du scheinbar nichts findest, worüber du dich freuen kannst, dann suche ganz bewusst weiter, bis du etwas findest. Das kann von Kleinigkeiten gehen wie „Ich freue mich über den bequemen Stuhl auf dem ich sitze.“ über „Wow, was für ein schönes Wetter heute.“ bis zu „Ich freue mich so darüber, dass ich gesund bin.“ Deiner freudvollen Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Da wir allerdings meistens darauf getrimmt sind, uns auf negative Sachen zu konzentrieren – in der irrigen Annahme wir könnten damit unser Leben verbessern, wenn wir nur genügend dieser negativen Sachen beseitigen – müssen wir anfangs ganz bewusst ordentlich gegensteuern. Es könnte sich sogar zunächst komisch anfühlen, sich zu freuen. Lass dich davon nicht beirren! Im Laufe der Zeit wird es ganz natürlich sein, deine Freude zu genießen.

In der Balance stehen

Eine wunderbare Übung, um dich in deinem Körper zu zentrieren. Stell dich mit geschlossenen Beinen aufrecht hin, lege die Hände locker an deine Oberschenkelseiten und schließe deine Augen. Verlagere nun dein Gewicht ganz langsam und nur ein klein wenig abwechselnd nach vorne, nach hinten, nach links und nach rechts. Deine Füße bleiben genau da stehen, wo sie jetzt sind. Die Reihenfolge ist egal. Mache die Übung so lange, wie du möchtest und verlagere dann dein Gewicht genau in deine Körpermitte. Spüre nun, wie die Verankerung in deiner Körpermitte auch deine Seele zentriert. Genieße dieses Gefühl eine Weile, öffne dann langsam deine Augen und kehre zurück in deinen Alltag.

Sei dein eigener Experte!

Bioeierskandal! Pferdefleischskandal! Regelmäßig bringen uns solche Meldungen aus unserem Rhythmus. Wir fangen an, nachzudenken und stellen unsere Gewohnheiten in Frage. Und wenn wir schon dabei sind, dann am besten gleich alle Gewohnheiten: Was kann man denn überhaupt noch essen? Iss das, das ist gesund! Nein, iss das doch nicht, ist ungesund! Doch iss das, amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden… Du brauchst mindestens so und so viel Schlaf, aber zu viel Schlaf macht krank. Verhalte dich gegenüber deinen Mitmenschen so und so, wenn du was erreichen willst! Ach so, das war gestern so, heute ist das schon wieder ganz anders. Neueste Forschungen haben ergeben…

Für fast jede deiner Handlungen wirst du einleuchtende Begründungen finden, die dafür sprechen und ebensolche, die das genaue Gegenteil behaupten. Wem sollst du glauben? Drei Experten, fünf Meinungen… Was sollst du bloß tun? Wie sollst du dich ernähren, wieviel Sport sollst du treiben, wie sollst du mit deinen Mitmenschen umgehen?

Wir Menschen suchen ständig nach Orientierung, doch meistens außerhalb von uns. Vielleicht hilft uns da ein Zitat Buddhas weiter: „Glaube nichts, egal wo du es liest, wer es gesagt hat, auch nicht wenn ich es sage. Es sei denn es stimmt mit dir und deinem eigenen Menschenverstand überein.“ Aber auch dieses Zitat Buddhas kannst du bestimmt mit einem Gegenzitat widerlegen, wenn du lange genug suchst.

Du kannst nun langfristig abstumpfen, komplett durchdrehen oder dein eigener Experte sein. „Aber woher weiß ich mit Bestimmtheit, dass das, was ich denke und mache, das Richtige ist? Vielleicht gibt es noch eine bessere Lösung…“ höre ich dich zweifeln. Du wirst es nie mit Bestimmtheit wissen, aber es ist die einzige lebenswerte Alternative, mit den Dingen umzugehen. Ist es nicht besser, seine eigenen Fehler zu machen, als ständig den Meinungen anderer hinterherzuhecheln? Aber ob das für dich der richtige Weg ist, kannst du nur herausfinden, indem du es ausprobierst. Viel Erfolg!

Der Tee-Meister und der Assassine

Ein Tee-Meister im alten Japan war berühmt für seine Tee-Zeremonien. Vor allem beeindruckte er die Leute mit seinem Hang zur Ästhetik, seiner Ruhe und seiner Sorgfalt. Doch in der Politik wurde er missverstanden und man unterstellte ihm, dass er gegen den Staat sei. So beschloss man also, ihm einen Assassinen zu schicken, der ihn umbringen sollte. Der Assassine täuschte einen Höflichkeitsbesuch vor und begehrte Einlass zum Tee-Meister. Dieser erkannte sofort, was der Assassine im Schilde führte und bat ihn, sein Schwert draußen zu lassen, da die Tee-Zeremonie Frieden symbolisiere und ein Schwert nur stören würde. Erbost weigerte sich der Assassine, schließlich sei er ein Krieger und ein Krieger führe sein Schwert immer mit sich, Tee-Zeremonie hin oder her. Schließlich erlaubte der Tee-Meister ihm, das Schwert zu behalten und sie begaben sich zur Zeremonie. Plötzlich stieß der Meister den Teekessel um. Heißer Dampf füllte den Raum und Kohlestückchen stoben umher. Der Assassine flüchtete vor Schreck aus dem Raum. Der Meister rief ihm hinterher: „Entschuldige bitte, das war mein Fehler. Du hast dein Schwert verloren. Nun ist es ganz dreckig und voller Asche. Ich werde es für dich reinigen und es dir dann geben. Komm zurück und lass uns Tee trinken!“ Da wurde dem Assassinen klar, dass er den Tee-Meister nicht so leicht umbringen könne und er beschloss, dies auch nicht mehr zu versuchen.

Verfasser unbekannt – frei nacherzählt

Der Wassertropfen

Ein Zen-Meister beauftragte seinen Schüler, ihm einen Eimer Wasser zu bringen, um sein Bad zu kühlen. Der Schüler brachte ihm das Wasser, kühlte das Bad und schüttete den Rest auf die Erde. „Du Schwachkopf!“, brüllte der Meister ihn an, „Warum hast du den Rest Wasser nicht den Pflanzen gegeben? Was fällt dir ein, auch nur einen Tropfen Wasser in diesem Tempel zu vergeuden?“ Der junge Schüler wurde auf einen Schlag erleuchtet und änderte seinen Namen in „Wassertropfen“.

Verfasser unbekannt – frei nacherzählt